KDFB
06.07.11

Frauen mit Behinderung gerechten Zugang zu Bil­dung und beruflicher Teilhabe sichern

Foto: KDFB

KDFB und Hildegardis-Verein begrüßen nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechts­kon­vention und fordern zügige Fortschreibung

Köln/Bonn, 6. Juli 2011 - Der Katholische Deutsche Frauenbund e.V. (KDFB) und der Hildegardis-Verein e.V. begrüßen den Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung der UN-Behinderten­rechts­kon­vention. Besonders positiv bewerten sie die Verpflichtung zum  Leitprinzip Geschlechtergerechtigkeit für alle Handlungs­aufträge im Rahmen des Aktions­plans und die  ausdrückliche Absicht zur Beseitigung der mehrfachen Diskriminierung von Frau­en mit Behinderungen. Es sei folgerichtig, dass in der geplanten Neukonzeption des nächsten Bundes­behinderten­berichts die Situation von Frauen besonders berücksichtigt werde.

Hildegardis-Verein und Frauenbund sehen im Aktionsplan selbst noch deutlichen Handlungs­bedarf aus der Sicht von Frauen und setzen sich für eine zügige Fortschreibung ein. Insbesondere in den Bereichen „Bildung“ sowie „Arbeit und Beschäftigung“ fehlten geschlechterdifferenzierende Analysen und Maßnahmen zur Gleichstellung von Frauen mit Behinderung. „Aus unserer Sicht wäre es sinnvoll, die Geschlechtergleichstellung im Aktionsplan, ähnlich wie in der UN-Konvention geschehen, zweigleisig aufzunehmen und sowohl das eigene Frauenkapitel umfassend zu kon­zi­pieren als auch explizite Querverweise zur Situation der Frauen in jedem Aktionsbereich vorzusehen“, erklären die Präsidentin des KDFB, Ingrid Fischbach, und die Vorsitzende des Hildegardis-Vereins, Prof. Dr. Gisela Muschiol. „In der jetzigen Fassung fehlen viele dieser Querverweise ganz und in den Kapiteln „Bildung“ sowie „Arbeit und Beschäftigung“ ist an keiner Stelle von  Frauen die Rede. Dabei liegt gerade hier der Schlüssel zu einer gerechten Teilhabe. Wir halten spezifische Maßnahmen zur Förderung behin­derter Frauen in diesen Bereichen für zwingend notwendig“, mahnen Fischbach und Muschiol.

Wichtige Ansätze sehen Hildegardis-Verein und Frauenbund in Maßnahmen zur Verbes­serung der Datenkenntnis über die Situati­on von behinderten Studentinnen und Nach­wuchswissen­schaftlerinnen. Sie begrüßen dabei die Förderung einer umfassenden Studie des Deutschen Studentenwerks zur Situation von behinderten Studierenden an deut­schen Hochschulen durch das Bundes­minis­terium für Bildung und Forschung (BMBF).

„Auf Grundlage der verbesserten Datensituation müssen dann weitere Maßnahmen zur Förderung von Studentinnen und Akademikerinnen mit Behinderung verabschiedet werden“,  fordert Frau Fischbach. „Hier ist die aktuelle Fassung des Aktionsplans noch zu ,dünn‘.“ Gerade an den Übergängen zwischen Schule, Studium und Beruf fehlten noch konkrete Maßnahmen: z. B. bei der Ermutigung zur Aufnahme eines Studiums und bei der Erleichterung des Einstiegs in den Beruf – sei es im Hochschulwesen oder in der freien Wirtschaft. Hier könne z.B. durch entsprechende Mentoring-Programme die Teilhabe von Frauen mit Behinderung perspektivisch besonders erfolgreich gefördert werden.

„Des Weiteren mahnen wir an, den Aktionsplan um Maßnahmen zur Förderung der Bil­dungs­mobilität  zu erweitern“, erklärt Prof. Dr. Muschiol. „Studentinnen mit Behinderung, die auf Assistenz angewiesen sind und ein oder mehrere Semester im Ausland studieren möchten, haben keine Sicherheit, dass die Finanzierung ihrer Assistenz auch für das Ausland bewilligt wird. Die Mög­lichkeiten, Assistenzleistungen auch im Ausland über die Sozialhilfe und Pflegeversicherung finanzieren zu können, müssen dringend verbessert werden, um Studierenden mit Behinderung gleiche Chancen zu sichern.“

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) ist ein unabhängiger Frauenverband mit bundesweit 220.000 Mitgliedern. Seit der Gründung 1903 setzt er sich für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Gesellschaft, Politik und Kirche ein.

Der 1907 gegründete Hildegardis-Verein in Bonn ist der älteste Verein zur Förderung von Frauenstudien in Deutschland. Im Rahmen seiner biographiebegleitenden Fördertätigkeit vergibt der Verein altersunabhängig zins­lose Studiendarlehen an Frauen aller Studienfächer und Berufsgruppen für Studien, Zweit- und Aufbaustudien, Berufs- und Zusatzqualifikationen. Seit 2008 führt der Hildegardis-Verein mit Unterstützung der Conterganstiftung das bundesweit erste Mentoring-Programm für Studentinnen mit Behinderung durch.

Mit freundlichen Grüßen

Ute Hücker
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Katholischer Deutscher Frauenbund e.V.
Kaesenstraße 18
50677 Köln
Telefon: 0221 / 860 92 24
Telefax: 0221 / 860 92 79
E-Mail: ute.huecker@frauenbund.de
Web: www.frauenbund.de

Hier können Sie diese Nachricht als pdf-Dokument herunterladen.