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Erinnerung und Dank an Momo Eiche

02.07.2026

Am 9. Juni 2026 ist Momo Eiche verstorben. Unter diesem Pseudonym hat sie im Jahr 2020 ihre Erfahrungen als Betroffene von sexuellem und spirituellem Missbrauch veröffentlicht. Sie berichtete im Buch „Erzählen als Widerstand“ davon, wie sie als junge Ordensfrau von einem Pater schleichend abhängig gemacht und über viele Jahre ausgebeutet wurde. Die Leserinnen und Leser erfahren auch, dass Momo Eiche bereits als Kind schweren Missbrauch erlitten hat. Auf perfide Weise nutzte der Pater seine Autorität und sein Charisma, um die zunehmenden körperlichen Übergriffe als Hilfe Gottes für die verunsicherte junge Frau erscheinen zu lassen. Schritt für Schritt entstand eine Situation, die Momo Eiche in der Überschrift ihres Berichts so titelt: „Nicht mehr ich“. Ihr war die Selbstbestimmung über ihr Leben und ihren Glauben genommen worden. Auch wenn die Folgen des Missbrauchs sie schwer belasteten, fand Momo Eiche Worte für das Leid und beschrieb die manipulierenden Mechanismen, die sie und viele andere Frauen zu Opfern machten. Sie gehörte zu den Protagonistinnen der Tagung in Siegburg im Jahr 2019, die durch ihren widerständigen Mut frauensolidarisch auftraten und das Thema Missbrauch an erwachsenen Frauen in der katholischen Kirche in den Mittelpunkt rückten. Der unermüdliche Kampf um die Anerkennung des Leides forderte Momo Eiche über die Grenzen ihrer Kraft hinaus. Ihre Liebe zur Natur und zu Tieren gehörte zu den Ressourcen, an denen sie bis zuletzt festhielt.

Als Herausgeberinnen des Buches „Erzählen als Widerstand“ erinnern wir uns dankbar an Momo Eiche. Ihr Bericht hat nicht nur viele Leserinnen und Leser für das himmelschreiende Unrecht sensibilisiert, das ihr widerfahren ist. Auch die gefährdenden Strukturen in Kirche und Gemeinschaft können aufgrund der so hart errungenen Sprachfähigkeit von Momo Eiche beschrieben werden. Das macht Veränderungen möglich, die Frauen in der Zukunft besser schützen. Ausschnitte aus dem Bericht von Momo Eiche gehören auch zum Herzstück des Online-Tutorials „Missbrauchsmuster sehen lernen“ gegen Missbrauch an Frauen in der Kirche.

Am Ende ihres Berichts schreibt sie: „Überlebende sind starke Menschen“. Momo Eiche war stark, sie war eine Überlebenskünstlerin, und wir – als Herausgeberinnen, als katholischer Frauenverband KDFB, als Betroffene, als Engagierte – haben viel von ihr gelernt. Es schmerzt uns zu wissen, wie schwer ihr Weg war. Wir sehen den Auftrag an uns, uns weiter dafür zu engagieren, dass Frauen selbstbestimmt leben und glauben können.

Dr. Barbara Haslbeck mit Dr. Regina Heyder, Prof.in Dr. Ute Leimgruber und Dorothee Sandherr-Klemp, Herausgeberinnen des Buches „Erzählen als Widerstand“ sowie Dr. Ute Zeilmann, KDFB-Vizepräsidentin für den Katholischen Deutschen Frauenbund e.V. (KDFB).

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Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) ist ein unabhängiger Frauenverband mit bundesweit 130.000 Mitgliedern. Seit der Gründung 1903 setzt er sich für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Politik, Gesellschaft und Kirche ein.
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