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Vernetzungstagung in Siegburg

Siegburg, 21.08.2025

Vom 4. Bis 6. August 2025 fand im Katholisch-Sozialen Institut (KSI) in Siegburg die Vernetzungstagung „Machtanmaßung – spiritueller Missbrauch – sexualisierte Gewalt. Den Herausforderungen begegnen und neue Wege denken“ statt. Die interdisziplinäre Veranstaltung brachte Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Disziplinen und Qualifikationsphasen zusammen, um einen intensiven Austausch über die vielfältigen Perspektiven und Forschungsarbeiten in diesem Themenfeld zu fördern. Der KDFB war einer der Veranstalter.

Über 40 Teilnehmende aus Theologie, Rechts-, Sozial- und Geschichtswissenschaften nutzten die drei Tage voller Vorträge, Poster-Session, Kolloquien und Workshops für intensive Diskussionen. Die Inhalte waren in vier Fokus-Blöcke gegliedert: Historische Perspektiven, Spiritueller Missbrauch, Sexueller Missbrauch und Narration – Prävention – Bewältigung.

Fokus I: Das Geschehene aufarbeiten – Historische Perspektiven

Vorträge aus der geschichtswissenschaftlichen Perspektive beleuchteten unter anderem den spirituellen Missbrauch an Frauen im 19. Jahrhundert sowie die Berichterstattung und das Wissen über sexualisierte Gewalt und spirituellen Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche aus alt-katholischer Sicht. Die Vorträge zeigten eindrücklich, wie die Auseinandersetzung mit autobiographischen Zeugnissen gläubiger Frauen dieser Zeit Hinweise auf typische Formen spirituellen Missbrauchs geben können und wie Berichte, bspw. aus alt-katholischer Perspektive, Wissen über Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche aufdecken und zugleich den eigenen Umgang damit beeinflussen.

In den Kolloquien diskutierten die Teilnehmenden die transnationalen Konsequenzen der unterschiedlichen Reaktionen von deutschen und US-amerikanischen Bischöfen oder über die Bedeutung des posttraumatischen Potenzials für die Gottesbeziehung. Abendlichen Workshops behandelten die Mentale Gesundheit von jungen Wissenschaftler*innen im Kontext der Gewaltforschung uns Probleme und Chancen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Fokus II + III: Spiritueller und Sexueller Missbrauch

Hier zeigte sich besonders der Bedarf einer wissenschaftlichen Theologie, die sensibel für die Realität der unterschiedlichen Formen des sexuellen und spirituellen Missbrauchs ist und hierfür eine klare und deutliche Sprache findet. Deutlich wurde aber auch, dass noch lange nicht alle offenen Fragen geklärt sind. Die lebhafte, aber konstruktive Diskussion über die Notwendigkeit einer engen oder weiten Begriffsbestimmung von Spirituellem Missbrauch ist hierfür ein gutes Beispiel. Weitere Fragen waren, ob sich Spiritueller Missbrauch in der Kirchengemeinde womöglich anders zeigt als in Geistlichen Gemeinschaften. Dort wachsen Kinder von Beginn an in missbräuchlichen Strukturen auf. Auch die Frage nach einer Spiritualität der Wiedergutmachung, sowie die Frage nach den strukturellen Vulnerabilitäten von Ordensfrauen wurde aus kanonischer und theologischer Perspektive bearbeitet.

Während einer Poster-Session bestand vor der Mittagspause noch die Möglichkeit unterschiedliche Forschungsprojekte kennenzulernen. Hier wurde auch das Online-Tutorial zur Prävention von Missbrauch an erwachsenen Frauen in der katholischen Kirche vorgestellt, welches in Kooperation von KDFB und Universität Regensburg entstanden ist und stetig weiterentwickelt wird.

Die intersektionale Perspektive auf Sexuellen Missbrauch machte zudem deutlich, dass es unterschiedlich starke Gefährdungen der Betroffenheit gibt und die Kirchen ihre Diversitätskompetenz stärken müssen. Verbunden mit theologischen Ansätzen der Wiedergutmachung und Versöhnung wurden die Entschädigungszahlungen für Betroffene im Kontext der Katholischen Kirche thematisiert.

Fokus IV: Nach dem Missbrauch. Narration – Prävention – Bewältigung

Die Vorträge zeigten, wie wirkmächtig Missbrauchs- und Vergewaltigungsmythen für das eigene Erzählen, aber auch für das Zuhören von Betroffenen sind. Ähnlich entscheidend sei es einen Blick auf die Biblischen Texte zu werfen, welche zur Legitimation von Missbrauch genutzt werden können. Auch hier braucht es einen reflektierten Umgang mit exegetischen Praktiken und Bibeltexten. Diskutiert wurde dabei, wie dies auch in der Praxis gelingen kann und wie Menschen dazu befähigt werden können, dies in ihren spirituellen Angeboten zu berücksichtigen, wenn mit Bibeltexten gearbeitet wird. Zuletzt wurde dafür plädiert das Konzept der Atmosphärenkompetenz als möglichen Ansatz für die Prävention von sexualisierter Gewalt zu sehen.

Über die gesamte Zeit hinweg wurden alle Themen mit großer Wertschätzung und Offenheit diskutiert und es hat sich gezeigt, wie weit sich der Diskurs über Sexuellen und Spirituellen Missbrauch mittlerweile entwickelt hat.

Zum Abschluss der Tagung waren sich alle Teilnehmenden einig, dass der Dialog zwischen Theorie und Praxis weitergeführt und intensiviert werden muss, um nachhaltige Veränderungen zu bewirken. So wurden Kontakte geknüpft und bestehende Netzwerke vertieft – und es stand fest, dass ein solches Format auch in Zukunft fortgeführt werden sollte.

Als Kooperationspartner der Veranstaltung dankt der KDFB dem Vorbereitungsteam Magdalena Hürthen (Universität Regensburg), Jakob Schrage und Pavlos Leußler (Universität Bonn) sowie Christiane Kuropka (Universität Münster) für die großartige Organisation im Vorfeld und während der drei Tage.

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