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Erzählen ist Widerstand: KDFB zieht Bilanz und bekräftigt seine Verantwortung

Köln, 19.01.2026

Der Katholische Deutsche Frauenbund e.V. (KDFB) veranstaltete am 15. Januar 2026 die Online-Veranstaltung „5 Jahre Erzählen ist Widerstand. Reflexion und Bilanz zum Umgang mit spirituellem und sexuellem Missbrauch an erwachsenen Frauen in der Kirche“. KDFB-Vizepräsidentin Ute Zeilmann machte gleich zu Beginn der Veranstaltung deutlich: „Es ist für den KDFB Auftrag und Verpflichtung, weiterhin hinzuhören, hinzusehen und an der Seite der Betroffenen zu bleiben.“

Anlass der Veranstaltung war das Erscheinen des vom KDFB herausgegebenen Buches „Erzählen als Widerstand“ vor rund fünf Jahren. Darin berichten 23 Autorinnen von spirituellem und sexuellem Missbrauch, den sie als erwachsene Frauen im Raum der katholischen Kirche erfahren haben. Das Buch machte eindrücklich sichtbar, dass auch der spirituelle und sexuelle Missbrauch an erwachsenen Frauen ein strukturelles Problem innerhalb der katholischen Kirche ist. In der Online-Veranstaltung, an der etwa 80 Personen teilnahmen, blickte der KDFB mit drei der Herausgeberinnen auf die Wirkungen des Buches zurück und richtete zugleich den Blick nach vorne.

Regina Heyder, Vorsitzende der Theologischen Kommission des KDFB und eine der Herausgeberinnen, hob hervor, dass „Erzählen als Widerstand“ eine große Wirkung entfaltet habe: Medienberichte, Engagement der Autorinnen in Betroffeneninitiativen, Veranstaltungen, wissenschaftliche Reflexion, Vernetzung auf nationaler und internationaler Ebene sowie kirchenpolitische Initiativen belegen dies. Gleichzeitig sei das Buch für viele Frauen ein Instrument, eigene Erfahrungen einzuordnen und Deutungsmacht über die eigene Biografie zurückzugewinnen.

Der KDFB würdigte in der Veranstaltung ausdrücklich den Mut der Autorinnen von „Erzählen als Widerstand“. Dorothee Sandherr-Klemp, Geistliche Beirätin des KDFB und ebenfalls Herausgeberin des Buchs, betonte, dass die Autorinnen mutige Pionierinnen waren, „die das Schweigen durchbrochen, aktiven Widerstand gegen das bedrohliche Schweigegebot geleistet und durch ihr Erzählen Missbrauchsmuster sichtbar gemacht haben.“

Dass sich diese Missbrauchsmuster nicht nur im deutschsprachigen Raum finden, machte Marie-Jo Thiel, emeritierte Professorin der Universität Straßburg, in ihrem Gastbeitrag deutlich. Auch heute noch gebe es zu wenig Anerkennung der Formen spirituellen Missbrauchs, sowie ein fehlendes Eingeständnis für die institutionelle Verantwortung. Thiel verwies dabei auf die zahlreichen Studien und kirchlichen Verfahren in Frankreich und betonte zugleich die Vielzahl an Leerstellen, deren Beantwortung noch aussteht. Ihr Fazit: Die Kraft der Erzählungen Betroffener ist unverzichtbar, um Tabus zu brechen, Sensibilität zu schaffen und nachhaltige Veränderungen anzustoßen.

Barbara Haslbeck, ebenfalls Mitherausgeberin, brachte Rückmeldungen von Autorinnen des Buches fünf Jahre nach der Veröffentlichung zur Sprache. Die Auswirkungen des Buches bewegten sich für sie im Spannungsfeld zwischen positivem Erleben der Solidarität sowie enttäuschten Hoffnungen, vor allem im Kontext der institutionellen Aufarbeitung. Laut Haslbeck zeigte dies eindrücklich, dass das Erzählen zugleich belastend und befreiend sein kann, dass es Isolation durchbrechen, aber auch neue Verletzlichkeiten mit sich bringen kann.

Im KDFB beschränkte sich die Arbeit mit „Erzählen als Widerstand“ nicht auf die Veröffentlichung des Buches. Gemeinsam mit Ute Leimgruber, der vierten Mitherausgeberin, und in Kooperation mit der Universität Regensburg wurde ein Online-Tutorial zur Prävention von Missbrauch an erwachsenen Frauen entwickelt und kostenlos zur Verfügung gestellt. Außerdem hat der KDFB eine Arbeitshilfe zu spiritueller Selbstbestimmung herausgegeben.

Die Veranstaltung am 15. Januar verstand der KDFB als Moment des Erinnerns, des Innehaltens und der Ermutigung weiterzumachen. Ute Zeilmann betont: „Wir bleiben dran – aus Solidarität mit den Betroffenen und aus der Überzeugung heraus, dass Erzählen Widerstand ist und bleibt.“

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