Geschlechtergerechte Demokratie
Eine geschlechtergerechte Demokratie ist die Grundlage für eine faire und zukunftsfähige Gesellschaft. Demokratie lebt von Beteiligung. Doch Demokratie ist nur dann wirklich gerecht, wenn alle Menschen unabhängig von Geschlecht, Herkunft, sozialem Status, Alter, Behinderung, sexueller Identität oder Religion gleiche Chancen haben, mitzugestalten. Eine geschlechtergerechte Demokratie erkennt an, dass Diskriminierung oft nicht eindimensional wirkt. Geschlecht überschneidet sich mit anderen Lebensrealitäten und kann Benachteiligung verstärken. Deshalb braucht es politische Strukturen die Vielfalt nicht nur zulassen, sondern aktiv fördern und Macht gerechter verteilen.
Gleichstellungspolitik
Noch immer sind Macht, Ressource und Entscheidungsräume ungleich verteilt. Deshalb setzen wir uns für faire Repräsentation, gleiche Rechte und echte Teilhabe ein. Denn Demokratie ist kein Selbstläufer, sie braucht Engagement, Haltung und Solidarität.

Helene Weber am Mikrofon (Foto: KDFB)
Der Frauenbund setzt sich seit 1903 für die Stärkung der Demokratie und den Erhalt des Friedens ein. Deshalb tragen wir als Nachfolgerinnen der „Mütter des Grundgesetzes“ Verantwortung – in unserem Land und in einer globalisierten Welt. Es gehört zum Grundstein unserer Verbandsarbeit, dass wir uns für die Umsetzung der Werte Gerechtigkeit, Solidarität und Menschenwürde gemeinsam mit anderen stark machen. Geschlechtsbezogene Ungerechtigkeiten in Gesellschaft, Politik und Kirche zu erkennen und aktiv für Veränderungen einzutreten – im Dialog, durch Bildung und Zuhören setzten wir uns für diese Werte ein. Mehr zur Geschichte des KDFB und zu unseren Standpunkten
„Männer und Frauen sind gleichberechtigt“, heißt es in Artikel 3, Absatz 2 des Grundgesetzes. Seit 1949 bildet dieser Artikel die rechtliche Grundlage für die Gleichstellung der Geschlechter in Deutschland. Dennoch ist die tatsächliche Gleichstellung in vielen Lebensbereichen noch nicht erreicht. Frauen erfahren weiterhin Benachteiligungen und Diskriminierungen, etwa beim Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und im Alltag. Noch immer erhalten Frauen im Mittel geringere Löhne als Männer, haben geringere Karrierechancen und oft ein höheres Risiko für Altersarmut. Auch in der unbezahlten Fürsorge gibt es großen Handlungsbedarf.
Gleichstellungspolitik ist eine Querschnittsaufgabe. Für Erfolge müssen möglichst viele Akteur*innen über die verschiedenen politischen Bereiche hinweg zusammenwirken – national wie international. Das zeigen die Berichte zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland, die die Bundesregierung in jeder Legislaturperiode vorlegt. Die Gutachten verdeutlichen, dass Gleichstellungspolitik weiter mit verschiedenen Politikbereichen zusammenarbeiten muss, damit politische Entscheidungen für Frauen und Männer gleichermaßen wirksam sind. Die Berichte können somit als Seismografen verstanden werden. Sie zeigen: Bei der Gleichstellung handelt es sich nicht um ein Erkenntnisproblem – es krankt bei der Umsetzung.
Gender & Intersektionalität
Die Gleichstellungspolitik steht vor besonderen Herausforderungen: wenn sie sich lediglich auf Frauen und Männer bezieht, wird sie weder den Debatten um (Mehrfach-)Diskriminierung noch einem diversen Geschlechterbegriff gerecht. Gleichstellung muss daher immer unter Einbeziehung eines breiten Geschlechterverständnisses und der komplexen intersektionalen Zusammenhänge weiterentwickelt werden. Intersektionalität beschreibt dabei die Überschneidung und Gleichzeitigkeit verschiedener Diskriminierungskategorien gegenüber einer Person.
Broschüre "echt geschlechtergerecht"
Die KDFB-Broschüre „echt geschlechtergerecht“ zeigt, wie es um die Gleichstellung der Geschlechter in Deutschland aktuell bestellt ist und vor welchen Herausforderungen die Gleichstellungspolitik steht.
Parität
Eine ausgeglichene Repräsentanz von beiden Geschlechtern in Parlamenten ist notwendig um eine gleichberechtigte und demokratische Teilhabe aller Bürger*innen sicherzustellen sowie Einfluss auf staatliches Handeln. Die Forderungen nach Parität beziehen sich auf das Grundgesetz Artikel 3 Absatz 2: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“.
Hiermit wurde seit 1949 die rechtliche Grundlage für die Gleichberechtigung der Geschlechter in Deutschland geschaffen und seit 1994 um einen aktiven Gleichstellungsauftrag ergänzt: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“
Jahrzehnte später besteht noch immer eine Diskrepanz zwischen rechtlich zustehender Gleichberechtigung und der tatsächlichen politischen Teilhabe, obwohl Frauen die Hälfte der Bevölkerung – und somit keine Minderheit – darstellen.
Selbst nach über 100 Jahren Frauenwahlrecht ist lediglich ein Drittel unserer Parlamentarier*innen im Deutschen Bundestag weiblich. Dabei machen Frauen die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland aus. Politik wird dadurch vorwiegend von Männern gestaltet. Das ist ein Demokratiedefizit. In anderen Ländern sorgen gesetzliche Regelungen dafür, dass Frauen und Männer paritätisch, also zu gleichen Teilen, in Parlamenten vertreten sind. Diese Regelungen haben den Frauenanteil dort deutlich erhöht.
Staatliche Gleichstellungspolitik muss als Ziel haben, Strukturen, die Benachteiligung fördern, abzubauen und den Zugang zu politischer Teilhabe und Partizipation chancengerecht für alle Geschlechter zu öffnen.
Initiative Parität Jetzt!
In der Initiative #Parität Jetzt! engagieren sich über 80 Akteur*innen aus der Zivilgesellschaft, auch der KDFB. Die Initiative setzt sich für Parität in den Parlamenten ein, denn Frauen in der Politik sollten die Regel sein, nicht die Ausnahme. In Deutschland werden große politische Entscheidungen, die unsere Gesellschaft gestalten und unsere Zukunft beeinflussen aktuell aus Mehrheitsentscheidungen von Männern getroffen. Das ist ein Demokratiedefizit. Die Initiative #ParitätJetzt ist ein solidarischer Zusammenschluss von Frauen und Männern aus verschiedenen Verbänden, Organisationen und Netzwerken. Gemeinsam setzen wir uns mit einem starken Netzwerk für Veränderung und eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in der Politik, denn: Demokratie braucht uns ALLE. #ParitätJetzt!
Material und Veröffentlichungen zum Thema "Parität"
Antifeminismus
Der KDFB sieht das derzeitige gesellschaftspolitische Klima, das Erstarken rechtspopulistischer und antidemokratischer Bewegungen, deren schleichende Etablierung in den gesellschaftspolitischen Alltag und die aus alldem erwachsende Spaltung der Gesellschaft mit Sorge. Ein friedvolles Miteinander ist nicht selbstverständlich, sondern ein Werk der Gerechtigkeit. Das öffentliche und laute Einstehen für Gerechtigkeit, Solidarität und Menschenwürde erfordert Mut, immer wieder Kraft und ständiges Bemühen. Dafür treten wir aus Überzeugung ein und grenzen uns deshalb klar gegen populistische und extremistische Gruppierungen ab.
Material und weiterführende Links zum Thema Antifeminismus
Wahlen
Demokratie lebt von Beteiligung. Jede Stimme zählte. Wählen gehen bedeutet mitbestimmen, Verantwortung übernehmen und die Zukunft aktiv mitgestalten. Seit 1919 dürfen Frauen wählen und gewählt werden. Ein Recht, das ihnen erst nach jahrzehntelangem Kampf gewährt wurde. Der Einzug der Frauen in die Nationalversammlung ist ein Meilenstein auf dem Weg der Gleichberechtigung und zur parlamentarischen Demokratie in Deutschland. Nur dank der intensiven Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, die auch im KDFB stattfand, gingen damals sehr viele Frauen zur Wahl, sodass von den 37 gewählten Frauen 6 aus dem KDFB kamen. Unter ihnen die damalige Präsidentin Hedwig Dransfeld und das Vorstandsmitglied Helene Weber. Die Stärkung der Frauenrechte und das Bekenntnis zur Demokratie sind Aufgabe und Anspruch für eine engagierte Mitgestaltung und positive Veränderung des gesellschaftlichen Lebens. Wer zur Wahl geht, entscheidet mit über Gegenwart und Zukunft unseres Landes und übernimmt Verantwortung für eine starke Gesellschaft. Freie, unabhängige und geheime Wahlen sind das Fundament einer Demokratie.
100 Jahre Frauenwahlrecht - Aktion „Wir ziehen den Hut!" in 2019

Erst seit knapp 100 Jahren dürfen Frauen wählen. Ein Recht, das ihnen erst nach jahrzehntelangem Kampf gewährt wurde, woran sich auch der KDFB aktiv beteiligte. Der Einzug der Frauen in die Nationalversammlung ist ein Meilenstein auf dem Weg der Gleichberechtigung und zur parlamentarischen Demokratie in Deutschland. Am 19. Januar 2019 lud der KDFB ein, mit Hut auf die Straße zu gehen. Bei der Aktion „Wir ziehen den Hut!“ sind viele tolle Bilder entstanden. Die Stärkung der Frauenrechte und das Bekenntnis zur Demokratie sind Aufgabe und Anspruch für eine engagierte Mitgestaltung und positive Veränderung des gesellschaftlichen Lebens.
Ehrenamt
Ehrenamt wird oft als Motor der Demokratie beschrieben, denn Demokratie lebt von Menschen, die mitmachen und sich für die Gesellschaft einsetzen. Die generelle Stärkung und der Ausbau ehrenamtlicher Strukturen sind unverzichtbar für eine starke und solidarische Gesellschaft. Bürgerschaftliches Engagement ist ein Ausdruck gelebter Demokratie und braucht jedoch konsequente Unterstützung. Der KDFB versteht sein ehrenamtliches Engagement auch als bürgerschaftliches Engagement, das sich in Gesellschaft und Kirche an einem guten Miteinander der verschiedenen Kulturen, Religionen und Generationen orientiert. Ehrenamtliches Engagement ist ein großer Schatz für funktionierendes gesellschaftliches Leben.
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