KDFB

KDFB Präsidentin von 1983 - 1990

Am 11. Dezember 2019 wäre Ria Pechel 100 Jahre alt geworden. Sie war dem Frauenbund über 40 Jahre auf´s Engste verbunden und steht für eine Generation von Frauen, die nach dem Krieg den Frauenbund zu seiner Bedeutung verholfen haben.

Der erste Kontakt von Ria Pechel mit dem Frauenbund fand 1946 in den Trümmern der Zentrale – der heutigen Bundesgeschäftsstelle – in Köln statt. Eine Bekannte ihrer Eltern hatte sie zu einem Treffen mitgenommen, bei dem es um den Wiederaufbau des Verbandes ging. Neu beginnen, Visionen entwickeln, Vernetzung ermöglichen, um stark zu werden – das stand auf der Agenda des KDFB in diesem Moment. Ria Pechel war beeindruckt und so begann die lebenslange Verbundenheit mit dem KDFB. Ihr Engagement im Frauenbund nahm Gestalt an. Sie packte mit an, war begeistert vom Idealismus und der Energie vieler selbstbewusster Frauenpersönlichkeiten, die sie im Verband traf. Kurz drauf kümmerte sie sich als Sachbearbeiterin, Archivarin und Bildungsreferentin um die zukünftigen Wege des KDFB. Später wurde sie als Mitglied in den Bundesausschuss und Bundesvorstand gewählt und setzte ihre Schwerpunkte im familien- und sozialpolitischen sowie ökumenischen Bereich.

Nach über 30 Jahren entschied sie sich 1983 für das Amt der Präsidentin. Sie war überzeugt, dass ein Verband, der seine Zielsetzung kennt und sie den Aufgaben der Zeit entsprechend realisiert, als glaubwürdig, verlässlich und stark wahrgenommen wird und etwas bewirken kann. So sollte der KDFB sein. Ihr persönlicher Einsatz war hoch und hatte ein Ziel: an den Mut und die Einsatzbereitschaft der Gründungsfrauen anzuknüpfen. Die Geschichte des KDFB war für sie Auftrag zum Handeln. „Wir müssen wieder aufbrechen“, appellierte sie in ihren Reden. „Wir brauchen Frauen, die wissen, was sie wollen, die eine eigenständige Meinung haben, die den Mut haben, diese Meinung zu vertreten, und die die anstehenden Aufgaben sehen und ergreifen, die nicht verzweifeln in der Fülle der Schwierigkeiten, sondern die versuchen, Hoffnung aus dem Glauben zu realisieren.“

Ria Pechel wollte die Türen des Verbandes weit öffnen, vor allem junge Frauen ansprechen und sie ermuntern, Mitglied des Frauenbundes zu werden. So schrieb sie in der KDFB-Mitgliederzeitschrift „Die Christliche Frau“: „In einen Verband eintreten heißt, aus der Anonymität heraustreten. Auch das ist ein Bekenntnis und gleichzeitig eine Aktivität, auf die die Kirche und unsere Gesellschaft nicht verzichten kann und darf.“

Sie liebte den Frauenbund und war eine starke Frau mit großer Ausstrahlung, Überzeugungskraft und Dialogbereitschaft. Das erlebten KDFB-Frauen aller Ebenen ebenso wie Verantwortliche im politischen und kirchlichem Raum. Rolle, Bedeutung, Rechte und Interessen von Frauen, ihre Mitgestaltung von Gesellschaft und Kirche, die Profilierung des Verbandes, Ökumene und feministische Theologie, Alterssicherung, Weitergabe des Glaubens – das und noch mehr waren wichtige Anliegen der KDFB-Präsidentin Ria Pechel. Ihr 100. Geburtstag ist Anlass für Erinnerung und Dank an eine engagierte warmherzige Frau, die den KDFB entscheidend prägte.

Ute Hücker

Kurz-Information
Ria Pechel war die sechste Präsidentin des Frauenbundes. Sie übte dieses Amt von 1983 bis zu ihrem plötzlichen Tod 1990 aus. Seit 1946 war sie aktiv im KDFB: zunächst als Bildungsreferentin und Archivarin in der Bundesgeschäftsstelle, später als Kölner Diözesanvorsitzende und als Vizepräsidentin. Sie war verheiratet und Mutter von fünf Töchtern.