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Neupositionierung Prostitution - Sexkaufverbot

Der Katholische Deutsche Frauenbund e.V. (KDFB) sieht in erzwungener Prostitution ein System, in dem Frauen und auch Männer benutzt, ausgebeutet und ihrer Würde beraubt werden. Entgegen dem Narrativ „selbstbestimmter Sexarbeiter*innen“ arbei-ten die meisten von ihnen unfreiwillig und unter Zwang. Die Vorspiegelung falscher Arbeitsangebote, z.B. im Haushalt oder in der Gastronomie, finanzielle Not oder Ab-hängigkeit von Drogen lassen sie in ein System geraten, in dem sie Gewalt und Un-terdrückung erleiden und ihrer Menschenrechte beraubt werden. Dies gilt im beson-deren Maße für Frauen ohne Aufenthaltsrecht in Deutschland sowie Frauen, die die deutsche Sprache nicht sprechen.

Als Frauenverband lehnen wir eine Praxis ab, in der größtenteils Männer dieses Sys-tem als Freier durch den Kauf von Sexleistungen betreiben oder von ihm als Zuhälter und Bordellbetreiber finanziell in erheblichem Maß profitieren. Die Bezahlung des sexuellen Zuganges zum Körper einer anderen Person, kann eine Form sexueller Gewalt darstellen. Der wie selbstverständlich zu manchem Junggesellenabschied, zu manchem Ausflug eines Männerclubs gehörende Besuch im Bordell macht in er-schreckender Weise klar, dass es häufig an jeglichem Unrechtsbewusstsein fehlt, sich „Menschen als Sexobjekte“ zu kaufen und ein „Recht“ selbst auf die Erfüllung entwürdigender Sexpraktiken zu haben.

Prostitution entsteht oft aus einer (finanziellen) Not heraus und endet häufig in Zwang und sexueller Ausbeutung. Der KDFB sieht gerade in der Einführung des Sexkauf-verbotes und Freierbestrafung verbunden mit weiteren begleitenden Maßnahmen die Möglichkeit einer wirksamen Prostitutionspolitik, welche entschieden und vor allem nachhaltig gegen die fortgesetzte Verletzung der Würde der Prostituierten greift. Die Einführung eines solchen Gesetzes hat z.B. in Schweden zu einer grundlegenden Änderung der politischen Debatte geführt und insbesondere die Nachfrage nach im-mer weiteren und jüngeren Prostituierten zusammenbrechen lassen.

Wir fordern daher die Bundesregierung auf,

  • den Kauf von Sex zu kriminalisieren, da die überwiegende Mehrheit der Prostitu-ierten aufgrund von Zwängen und Abhängigkeiten im Sexgewerbe tätig sind.
  • die bestehende Gesetzgebung in Hinblick auf die Aufnahme des Sexkaufverbo-tes, der Freierbestrafung und den Prostituiertenschutz zu überarbeiten.
  • Prostituierte gänzlich zu entkriminalisieren und zu entstigmatisieren. Für die ei-gene Ausbeutung dürfen sie keiner Strafe unterworfen werden.
  • zu einer gesellschaftlichen Sensibilisierung, Bewusstseinsbildung, Unrechtsbe-wusstsein und Prävention beizutragen und Aufklärungskampagnen in den Her-kunftsländern von Prostituierten sowie in Deutschland durchzuführen. Insbeson-dere die Loverboy-Methode, mit der gerade Mädchen und sehr junge Frauen un-ter falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt werden, ist dabei zu thematisieren.
  • Richtlinien zum Ausstieg aus der Prostitution zu entwerfen und einzuführen, die den ehemaligen Prostituierten Begleitung, Schutz sowie soziale und finanzielle Unterstützung zusichern. Diese Programme müssen Sozialwohnungen, Aufent-haltsgenehmigungen für ausländische Betroffene, medizinische und psychologi-sche Gesundheitsversorgung, Bildung und Zugang zu Berufsmöglichkeiten ent-halten.
  • die Arbeit von Organisationen, die von Zwangsprostitution und Gewalt betroffene Frauen beraten und betreuen, langfristig sicherzustellen und auszubauen, so dass den Frauen Wege aus der Alternativ- und Perspektivlosigkeit aufgezeigt werden.

Beschluss der Bundesdelegiertenversammlung, 24.10.2020

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