Sommer pur
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Im Garten Claude Monets in Giverny in der Nähe von Paris:
Sommer pur!
Langsam wandelt man über die Wege vorbei an Dahlien, Lilien, Zinnien und noch unzähligen anderen Blüten. Das Auge kann gar nicht alles aufnehmen. Ein inneres Staunen wächst – aber auch eine Art von Scheu: so gezähmt ist sie hier, die Natur. Überall sind Gärtner und Gärtnerinnen am Werk: Wege sauber halten, alte Pflanzen entfernen oder beschneiden, neue pflanzen, zwischen den Steinen das Wildkraut entfernen.
Tatsächlich ist der erste Eindruck genau das, was Monet erreichen wollte: ein Blütenmeer – ununterbrochen. Es ist als ob man eintauchen kann in dieses Meer. Monet hat den Garten vor seinem Haus selber angelegt, das Gemüse entfernt, Apfelbäume gefällt – nur noch Blumen, vor allem Rosen in jeglicher Farbe. Er wollte eintauchen in die Blütenfarben, so wie er sich fallen ließ in die Farben, mit denen er malte. Der Höhepunkt sind seine Seerosenbilder. Er hatte dafür extra riesige Seerosenteiche angelegt: den Wassergarten. Die Bilder hängen in einem Museum in Paris – sie sind unglaublich groß, im Halbrund gemalt. Wenn man sie länger betrachtet, geschieht das, was der Maler erlebt hat – durch die Oberfläche hindurch abtauchen in die eigene Seelentiefe. Dort gerät man in ein Farbenspiel von violett, schwarz, grün in allen Abstufungen. Das Licht ist auch in der tiefsten Tiefe. Nicht ganz einfach ist es, wieder in die Wirklichkeit zu kommen bei der Betrachtung dieser monumentalen Werke. Nach dem Auftauchen ist eine Art von Reinigung geschehen – in das eigene Dunkle sehen können – das hat der Künstler ermöglicht. Und im eigenen Dunklen das Licht zu sehen – die Spiegelungen der Bäume, das Glitzern des Wassers...
Der Sommer kann eine Zeit des Eintauchens sein: in den Garten, den man selber gestaltet hat oder in einen Park, oder in die Natur an einem See oder in den Bergen, oder am Meer mit dem Blick auf den Horizont. Die Seele kann sich ausruhen, sich ähnlich fühlen, ja vielleicht sogar eins werden mit dem, was ich sehe, höre und rieche.
Gottes Schöpfung und seinen Weg mit ihr mit allen Sinnen erforschen – das Werden und Vergehen, die kleinen und großen Geschöpfe – solche Augenblicke kann man aufsaugen, durch sich durch gehen lassen.
Vielleicht geschieht es, dass man sich dabei neu sieht: ich bin Teil dieser Schöpfung, ich kann spüren, wie es ist, Gottes Bild zu sein. Wieder auftauchen in die Wirklichkeit nach einer solchen Erfahrung heißt dann: die Sinne sind geschärft: anders sehen, anders hören, anders riechen.
Psalm 104 preist die Schöpfung:
„Segne die Eine, du meine Lebenskraft! Die Eine, meine Gottheit – so groß bist du!
Majestät und Glanz kleiden dich.
Die sich in Licht hüllt wie in einen Umhang, den Himmel ausspannt wie eine Zeltbahn...
Wie viele sind deine Werke, du, die Eine! Alles hast du in Weisheit gemacht.
Voll ist die Erde von deinen Geschöpfen.“
(Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache)
Ursula Bell, Geistliche Beirätin im KDFB, Diözesanverband Köln


