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Erinnerung verpflichtet

ERKLÄRUNG ZUM 75. JAHRESTAG DES KRIEGSENDES

Am 8. Mai 2020 jährt sich zum 75. Mal der Tag, an dem der Zweite Weltkrieg in Europa endete und Deutschland vom Nationalsozialismus befreit wurde. Für uns ist dieser Tag Erinnerung und Mahnung zugleich. Politischer Einsatz und soziales Engagement mehrerer Generationen waren nötig, bis sich die Menschen der ehemals verfeindeten Staaten, insbesondere in Europa, versöhnen und wieder annähern konnten. Das Grauen des Holocaust und die schmerzvollen Erfahrungen von Krieg, Flucht und Vertreibung prägten noch Jahrzehnte nach Kriegsende Politik und Gesellschaft. Umso dankbarer sind wir, heute Teil eines geeinten Europas zu sein, das uns seit Jahrzehnten Frieden, Freiheit und Wohlstand in unserem Land sichert.

Doch Frieden und Demokratie sind nicht selbstverständlich. Mit Sorge sehen wir, dass in Europa Kräfte am Werk sind, die die gemeinsamen Werte der EU aushöhlen und sie auf eine reine Wirtschaftsgemeinschaft reduzieren wollen. Die Solidarität zwischen den Mitgliedsstaaten und die Verantwortung für das Ganze werden in Frage gestellt. In einigen von ihnen sind Demokratie, Pressefreiheit und Rechtsstaatlichkeit in Gefahr.

Mit gleicher Sorge beobachten wir das Erstarken rechtsradikaler und -populistischer Parteien und Gruppen sowie die Zunahme politisch motivierter Gewalt in unserem Land. Wenn in Deutschland rassistisches Gedankengut wieder Eingang in die Parlamente findet, wenn provokativ Formulierungen und Sprachbilder des Nationalsozialismus verwendet werden, wenn Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufgehetzt werden, Menschen aus anderen Kulturkreisen oder anderer Religionen, aber auch Repräsentant*innen unseres Staates angegriffen, gejagt oder gar ermordet werden – dann müssen wir handeln. Dann heißt es, Zivilcourage zu zeigen und sich für die Stärkung und den Ausbau unserer Demokratie einzusetzen, öffentlich Haltung gegen rhetorische Aufrüstung und populistische Tendenzen zu beziehen und gegen soziale Ausgrenzung und Rassismus aufzustehen.

Frieden lässt sich nur dauerhaft verwirklichen, wenn wir bereit sind, uns auf allen Ebenen mit Leidenschaft für Demokratie, Freiheit, Toleranz und Solidarität zu engagieren. Wir Frauen wollen dazu unseren Beitrag leisten. Wir sind überzeugt: Gewalt löst keine Konflikte, sondern verhindert Dialog und die Bereitschaft, tragfähige Kompromisse zu finden und dauerhaften Frieden zu schließen.

Zum 50. Jahrestag des Kriegsendes hat die Bundesdelegiertenversammlung des Katholischen Deutschen Frauenbundes e.V. (KDFB) 1995 die Erklärung „Erinnerung verpflichtet“ beschlossen und dabei die Situation von Frauen in der Kriegs- und Nachkriegszeit in den Blick genommen, deren Erfahrungen und Leiden von der Geschichtsschreibung häufig vergessen werden. Diese Erklärung ist heute genauso aktuell, wie sie es vor 25 Jahren war. Deshalb bekräftigen wir sie erneut – in leicht überarbeiteter Form.

KDFB-Bundesvorstand
Köln, 08.05.2020

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